
Ablauf einer Nacht im Schlaflabor
Aktualisiert am 2026-11-05
Eine Nacht im Schlaflabor dient dazu, Schlaf, Atemtätigkeit und körperliche Vorgänge während der Nacht genau zu untersuchen. Nach einem ausführlichen Vorgespräch werden Sensoren angebracht, anschließend schläft Patientin oder Patient in der Schlaflabor-Einrichtung. Am Morgen erfolgt die Auswertung; anschließend bespricht die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt die Ergebnisse und das weitere Vorgehen.
Wann ist ein Schlaflabor sinnvoll?
Ein Schlaflabor wird besonders dann empfohlen, wenn Beschwerden dauerhaft bestehen und eine einfache Behandlung nicht ausreicht. Die medizinischen Leitlinien empfehlen je nach Symptom eine fachärztliche Abklärung, bevor eine Schlaflabor-Untersuchung vereinbart wird. Die AWMF-Facharztleitlinien bieten dazu medizinisch fundierte Orientierung.
Die häufigsten Anliegen unterscheiden sich in ihren möglichen Ursachen und in der Art der Untersuchung:
| Beschwerde oder Verdacht | Wann eine Schlaflabor-Untersuchung besonders sinnvoll ist | Was häufig untersucht wird | Mögliche Alternative |
|---|---|---|---|
| Anhaltende Ein- oder Durchschlafstörungen | Wenn Schlafprobleme regelmäßig auftreten oder behandelt werden möchten | Schlafdauer, Schlafphasen, körperliche Vorgänge im Schlaf | Beratung, Schlafhygiene und ambulante Abklärung |
| Lautes Schnarchen mit Atempausen | Bei Verdacht auf eine schlafbezogene Atemstörung | Atemfrequenz, Sauerstoffgehalt, Herz- und Atemreaktionen | Voruntersuchung oder mobile Messung |
| Ungeklärte Tagesmüdigkeit | Wenn trotz ausreichender Schlafdauer Erschöpfung besteht | Schlafqualität, Atemstörungen und Ausschläger | Blutuntersuchung und fachärztliche Beratung |
| Unruhige Beine oder nächtliche Bewegungen | Wenn Schlaf durch motorische Unruhe unterbrochen wird | Bewegungsereignisse und Schlafzusammenhang | Neurologische beziehungsweise internistische Abklärung |
| Auffälliges Verhalten im Schlaf | Bei wiederkehrenden, ungewöhnlichen nächtlichen Handlungen | Schlafphasen, Aufwachen und Verhalten | Video-EEG, Epilepsieambulanz oder neurologische Beratung |
| Verdacht auf Kreislaufprobleme im Schlaf | Wenn Herzrasen, Ohnmacht oder Atemnot auftreten | EKG, Atmung und Blutdruck während der Nacht | Kardiologische Diagnostik |
Dieser Überblick ersetzt keine ärztliche Diagnose. Welche Untersuchung infrage kommt, hängt von den Symptomen, Vorerkrankungen und bereits vorliegenden Befunden ab.
Was passiert vor der Untersuchung?
Meistens erfolgt zuerst ein ambulantes Vorgespräch bei einer Schlafmedizinerin, einem Schlafmediziner oder einer entsprechend spezialisierten Praxis. Dabei werden Beschwerden, Medikamente, Vorerkrankungen und Schlafgewohnheiten erfasst. Häufig kommen Fragebögen zum Schlaf, zur Tagesmüdigkeit und zur Stimmung hinzu.
Anschließend wird gemeinsam geklärt, ob eine Schlaflabor-Untersuchung, eine ambulante Messung oder zunächst eine weitere fachärztliche Abklärung sinnvoll ist. Die Deutsche Gesellschaft für Schlafmedizin bietet Informationen für Patientinnen und Patienten zu Schlaflaboren und Schlafdiagnostik. Je nach Versorgungssituation kann eine Überweisung durch eine Ärztin oder einen Arzt erforderlich sein.
Wie läuft eine Nacht im Schlaflabor ab?
Die Untersuchung beginnt meist am Abend. Nach der Aufnahme werden die körperlichen Messwerte kontrolliert und die Schlafbedingungen besprochen. Anschließend werden Sensoren angebracht, die verschiedene Körperfunktionen erfassen. Die Zahl und Auswahl der Sensoren hängen vom Untersuchungszweck ab.
Der Ablauf lässt sich grob in fünf Schritte gliedern:
- Aufnahme und Aufklärung: Das Team erklärt die Messung, beantwortet Fragen und dokumentiert die Schlafgewohnheiten der vergangenen Tage und Wochen.
- Vorbereitung der Messung: Elektroden und weitere Sensoren werden angebracht. Dazu gehören je nach Untersuchung Schlafmessungen, Atemsensoren, Herzfrequenzmessung und optional eine videografische Schlafbeobachtung.
- Die Nacht: Licht wird reduziert, Schlaf wird unter den möglichst normalen Bedingungen beobachtet. Tageschlaf und Kaffee werden zuvor in Absprache vermieden, damit die Nacht möglichst repräsentativ bleibt.
- Morgendliche Abschlussphase: Nach dem Aufwachen werden die Sensoren entfernt und die Aufzeichnungen gesichert. Die betreuende Fachperson spricht kurz mit der Patientin oder dem Patienten.
- Auswertung und Besprechung: Das Schlaflabor erstellt einen technischen Befund. Die fachärztliche Bewertung und das weitere Behandlungskonzept erfolnen meist in einem separaten Gespräch.
Welche Vorgänge werden während des Schlafes gemessen?
Die Polysomnographie verbindet mehrere Messverfahren. Eine Elektroenzephalographie zeigt die Hirnaktivität und hilft, Schlafphasen zu unterscheiden. Elektromyographie und Elektrookulographie unterstützen die Beurteilung von Muskelaktivität und Augenbewegungen.
Zusätzlich werden häufig Atemgeräusche, Sauerstoffsättigung, Herzfrequenz, Körperlage und Blutdruck erfasst. Eine Videoaufzeichnung kann ungewöhnliche Bewegungen oder Atempausen sichtbar machen. Die genaue Auswahl richtet sich nach der Fragestellung. Übersichten zu schlafbezogenen Atemstörungen finden sich etwa bei den Lungenärzten im Netz.
Was sollte ich vor der Schlaflabor-Untersuchung beachten?
Nehmen Sie alle regelmäßig eingenommenen Medikamente sowie Beschwerden und Schlafprobleme in den Tagen vor der Untersuchung ernst. Eine genaue Vorbereitung kann helfen, die Ergebnisse sinnvoll zu beurteilen. Fragen Sie vorab, ob die Einnahme oder Änderung von Medikamenten gewünscht ist; setzen Sie Medikamente nicht ohne ärztliche Absprache ab.
Koffein, Alkohol und Nikotin können den Schlaf beeinflussen. Üblicherweise wird empfohlen, koffeinhaltige Getränke am Nachmittag zu vermeiden und keinen Alkohol zu trinken. Bringen Sie außerdem Schlafkleidung, Ihre Medikamentenliste und – falls vorhanden – das Schlaftagebuch mit. Die Gesundheitsinformation.de bietet eine verständliche Übersicht darüber, wie Schlafprobleme eingeordnet und behandelt werden können.
Wie wird aus dem Befund eine Behandlung?
Das Schlaflabor stellt zunächst fest, welche Vorgänge während der Schlafphase auffällig waren. Die Diagnose und Behandlung erfolgen anschließend durch die zuständigen Ärztinnen und Ärzte. Bei einer schlafbezogenen Atemstörung kann beispielsweise eine Druckunterstützung bei Einatmung und Ausatmung infrage kommen. Bei Schlafstörungen stehen je nach Ursache unter anderem Beratung, verhaltensbezogene Schlaftherapie oder eine ärztlich begleitete medikamentöse Behandlung zur Verfügung.
Das weitere Vorgein hängt auch von Begleiterkrankungen ab. Eine parallele Behandlung dieser Erkrankungen gehört häufig zur Therapie. Wichtig ist eine Verlaufskontrolle: Eine erste Untersuchung allein sagt wenig darüber aus, ob eine Behandlung wirksam ist. Schlaftagebuch, Nachbefragung und gegebenenfalls eine Wiederholungsmessung können deshalb sinnvoll sein.
Wann zum Arzt
Eine medizinische Abklärung ist besonders empfehlenswert bei folgenden Warnzeichen:
- Beobachte Atempausen, starkes Schnarchen oder wiederholtes nächtliches Erwachen.
- Beobachte Schläfrigkeit am Tag, Konzentrationsprobleme oder vermehrten Sekundenschlaf.
- Leiden unter ungeklärten Schmerzen in der Nacht oder häufigem Aufwachen.
- Treten nächtliche Bewegungsstörungen, Unruhe oder ungewöhnliches Verhalten auf.
- Bestehen Atemnot, Brustschmerzen, Ohnmacht oder ein ungewöhnlich hoher Puls in der Nacht.
- Verschlechtern sich die Beschwerden deutlich oder treten neue Symptome hinzu.
- Bleiben Schlafprobleme trotz einer Anpassung der Schlafgewohnheiten bestehen.
FAQ
Muss ich die ganze Nacht im Schlaflabor bleiben?
In der Regel ja. Eine vollständige Polysomnographie erfasst die Schlafphasen über die gesamte Nacht. Bei einer ambulanten Messung werden die Geräte nach Hause mitgenommen, während die Auswertung anschließend erfolgt.
Darf ich abends meine gewohnten Medikamente einnehmen?
Dazu erhalten Sie eine individuelle Anweisung. Manche Medikamente beeinflussen Schlaf, Muskelaktivität oder Atemmuster und müssen eventuell anders eingenommen werden. Ändern Sie Ihre Medikation aber nicht eigenmächtig.
Kann ich in normaler Schlafposition liegen?
Meistens ja. Je nach Untersuchung werden einzelne Sensoren und ein kleines Gerät getragen. Die Position kann grundsätzlich verändert werden, allerdings mit Einschränkungen, damit Kabel und Sensoren nicht verrutschen.
Wann erhalte ich das Ergebnis?
Der genaue Ablauf unterscheidet sich je nach Einrichtung. Einige Häuser teilen vorläufige oder endgültige Befunde mit, andere stellen ausschließlich einen Bericht für die behandelnde Ärztin oder den behandelnden Arzt bereit. Fragen Sie bei der Aufnahme nach dem voraussichtlichen Zeitpunkt.
Ist eine Schlaflabor-Untersuchung der einzige Weg zu einer Diagnose?
Nein. Häufig erfolgen zunächst eine fachärztliche Beratung, Fragebögen, Blutuntersuchungen oder ambulante Messungen. Eine polysomnographische Untersuchung ist vor allem dann angezeigt, wenn diese Schritte die Beschwerden nicht ausreichend klären oder eine spezielle Fragestellung offenbleibt.
Was passiert, wenn im Schlaflabor nichts Auffälliges gefunden wird?
Auch ein unauffälliger Befund ist eine Information. Er kann eine andere Erklärung für die Beschwerden nahelegen, schließt aber allein keine behandlungsbedürftige Schlafstörung aus. Das Ergebnis wird deshalb zusammen mit den Angaben aus dem Vorgespräch und den Alltagserfahrungen bewertet. Allgemeine Hintergrundinformationen finden sich auch im MSD-Manual.
Quellen
- Gesundheitsinformation.de – Informationen zu Schlaf und Schlafstörungen
- Deutsche Gesellschaft für Schlafmedizin
- Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften
- Lungenärzte im Netz – Informationen zu Schlafstörungen und schlafbezogenen Atemstörungen
- MSD Manual – Medizinische Informationen zu Schlafstörungen
Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung.